Literatur im BZP

Zur Autorenseite

Gespräch und Zärtlichkeit

von Wolfram Reda

„Gewalt hat kein Geschlecht“ (Angela Geißler im WDR 5)

„Du kannst gleich wieder gehen!“ schrie Friederike von oben hinab ins Treppenhaus. „Hau´ ab! Geh´ zu Deinen Eichhörnchen!“ – Als er den Treppenabsatz vor der Wohnungstür erreicht hatte, sprang sie auf ihn zu und schlug ihm ins Gesicht. „Die ganze Woche lässt Du mich mit den Kindern allein, und wenn Du endlich kommst, bist Du eine Stunde zu spät!“ – Er winkelte seinen rechten Arm an, um ihre Schläge abzuwehren. „Hör´ auf, Friederike,“ sagte er ärgerlich. „Ja, ich bin zwanzig Minuten zu spät, Verzeihung, der Zug hatte Verspätung.“ – Sie schlug und kratzte seinen vorgehaltenen Arm und wo immer sie ihn erreichen konnte. „Ich reiße mir die ganze Woche lang ein Bein aus, und wenn ich Dich mal brauche, dann bist Du nicht da. Hau´ ab! Verschwinde!“ – Friederike war einen Kopf kleiner als Hellmut. Ihr schmales dreieckiges Kinn glühte. Ihr dünnhäutiger Schmollmund gab ihr das Aussehen eines kleinen Mädchen, das um seine Hälfte des Kuchens betrogen worden war. Hellmut fasste sie am Kragen ihrer Bluse und streckte seinen Arm aus, sodass ihre Schläge ihn nicht mehr erreichen konnten. Friederike schlug und kratzte seinen Ellenbogen und versuchte, ihn vor´s Schienbein zu treten. „Hau ab!“ – „Friederike, hör´ auf,“ wiederholte Hellmut und widerstand der Versuchung, ihr eine Ohrfeige zu geben. „Ich werde nicht gehen,“ sagte er, „ich bin mit Hannah und Esther ebenso verabredet wie mit Dir!“ – Sie kratkzte ihn noch einmal, ihre Fäuste boxten mit nachlassender Kraft seinen Unterarm. „Soll ich Dir die Kinder `rausschicken? Hier kommst Du jedenfalls nicht `rein!“ Sie huschte in die Wohnung und schlug die Tür hinter sich zu. Er hörte, wie sie den Riegel vorschob.

Gesamte Geschichte, hier weiterlesen…

© Wolfram Reda

Zur Autorenseite

Zurück zum Titelverzeichnis

Hier geht es zurück zu Literarisches

Startseite

Bitte teilen Sie diesen Beitrag

Kommentare sind geschlossen.